Sozialpraktikum

„Compassion ist die Haltung der Mitleidenschaft. Sie besagt, dass mich die schwierige Situation eines anderen
Menschen nicht gleichgültig lässt, sondern zum Handeln herausfordert.“ So formulierte Prof. Dr. Lothar Kuld von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe bei einer Lehrertagung in Hildesheim.

An seinem „Compassion-Projekt“ beteiligten sich in einem Großversuch staatliche und freie Schulen verschiedener
Schularten in den Jahren 1996 bis 1998. Im Mittelpunkt stand das „Sozialpraktikum“, das seit einigen Jahren auch die 10. Klassen der St.-Augustinus-Schule absolvieren. Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei Einblicke in die Arbeit von sozialen Einrichtungen wie Altenheimen, Behindertenwerkstätten, Krankenhäusern oder Sozialstationen bekommen.

Das zweiwöchige Praktikum wird intensiv im Unterricht vor- und nachbereitet. Die Begegnung mit alten und kranken Menschen macht die Jugendlichen oft sehr betroffen, lässt sie über ihr eigenes Leben nachdenken und und stärkt ihre soziale Sensibilität.

„Ich habe mich in den zwei Wochen intensiv um einen alten Mann kümmern können, habe ihn gefüttert und viel mit ihm geredet. Wer wird im jetzt aus der Zeitung vorlesen, wo ich wieder in der Schule bin?“ Diese Aussage einer Zehntklässlerin ist beispielhaft für die Sichtweise nach dem Sozialpraktikum. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass sie gebraucht werden und dass man Hilfe nicht vorschnell einer anonymen Institution zuordnet.

Sicherlich lernen alle Kinder und Jugendlichen im Religionsunterricht das Gebot der Nächstenliebe kennen und
zeigen beim Gleichnis vom barmherzigen Samariter Unverständnis für die beiden Männer, die vorbei gehen und nicht helfen. Bei der konkreten Begegnung mit Bedürftigen, Alten oder Kranken wird die theoretische Behandlung eines „sozialen und humanen“ Themas auf die Stufe des eigenen Handelns gehoben und mit einer großen Intensität wirklich erlebt.

Somit ist das Sozialpraktikum ein wichtiger Baustein bei der Aufgabe von Schule, die Heranwachsenden zu rück- sichtsvollen und hilfsbereiten Menschen zu erziehen, die immer mehr bereit werden, soziale Verantwortung zu übernehmen.

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(Claus Unzeitig/Günther Burghardt)