Leseförderung an der St.-Augustinus-Schule
Informationen des Fachbereichs Sprachen

 

»Lesen ist für den Geist das,
was Gymnastik für den Körper ist.«
Joseph Addison (1672 bis 1719)

Dr. Johannes Reinert

Sport st wichtig – das weiß mittlerweile jeder Schüler. Aber auch das Lesen muss man immer wieder trainieren, um anspruchsvolle Texte meistern zu können. Die St.-Augustinus-Schule nimmt diese Erkenntnis ernst und bietet seit dem Schuljahr 2015 /2016 für die fünften Klassen eine spezielle Leseförderung zusätzlich zum regulären Unterricht an. Dabei werden neueste Erkenntnisse der Leseforschung berücksichtigt und praxisnah umgesetzt. Unten auf dieser Seite steht eine kostenlose Broschüre zum Download bereit, die Antworten auf die wichtigsten Fragen bietet. Von Johannes Reinert

                               

Dr. Johannes Reinert ist Leiter des Fachbereichs Sprachen

Welche Bedeutung hat das Lesen heutzutage eigentlich noch?

Bekanntlich gewinnen die elektronischen Medien zunehmend an Bedeutung. Doch auch hier ist das Lesen eine elementare Kulturtechnik. So setzt zum Beispiel die Teilhabe an den sozialen Medien voraus, Textbotschaften verstehen zu können. Außerdem ist Lesen nach wie vor der Schlüssel für schulischen Erfolg, das berufliche Vorankommen und sogar das persönliche Wohlbefinden. Deshalb zählt die Förderung der Lesefähigkeiten zu den wichtigsten Aufgaben der Schule.

 Mittlerweile ist gut erforscht, dass das Lesen-Können eine enorme Bedeutung für die geistige Entwicklung von Jugendlichen hat und die Aneignung von Schriftsprache eine neue Entwicklungsstufe bedeutet. Sie zu erreichen ist in der weiterführenden Schule besonders wichtig, denn die Texte werden in allen – auch den naturwissenschaftlichen – Fächern immer komplizierter. Auch auf dem Arbeitsmarkt sind heute höhere Qualifikationen gefragt, die nur über gute Lesefähigkeiten zu erwerben sind. Und für die freie Entfaltung der Persönlichkeit ist der Zugang zur Schriftkultur von hoher Bedeutung. Die Jugendlichen ohne entsprechende Lesefähigkeiten stehen somit in vielfacher Hinsicht vor verschlossenen Türen: Ihnen bleiben ganze Berufszweige ebenso verwehrt wie die Möglichkeit, aus Texten zu lernen oder die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

 

Weshalb ist eine Leseförderung in der weiterführenden Schule überhaupt notwendig?

In der Grundschule machen die Kinder ihre ersten Erfahrungen mit dem Entziffern sowie Schreiben von Buchstaben, Worten und Sätzen. Am Ende können sie in der Regel einfache Texte lesen und verfassen.

 Doch in den weiterführenden Schulen werden die Texte deutlich anspruchsvoller. Um hier mithalten zu können, benötigen die Schüler weitere Fähigkeiten, die entscheidend über die Kenntnis des Alphabets hinausgehen. Wichtig sind jetzt Strategien zum Umgang mit schwierigen Texten. Sie einzuüben benötigt Zeit – und die ist im Regelunterricht oft sehr begrenzt. Deshalb ist eine spezielle Förderung wichtig, in der die Schüler sich ausschließlich auf das Lesen konzentrieren können.

Entwickeln sie ihre Lesekompetenzen in der weiterführenden Schule nicht weiter, besteht die Gefahr, dass die Schüler Teil der sogenannten Risikogruppe werden, wie es in der aufsehenerregenden PISA-Studie heißt. Jugendliche dieser Gruppe können zwar Buchstaben und Worte entziffern, aber selbst leichte Aufgaben zum Leseverstehen nicht bewältigen. Ihnen fehlen grundlegende Kenntnisse zum Umgang mit Texten, was sich auf alle Fächer, auch solche wie Mathematik, auswirkt. Somit haben diese Jugendlichen Probleme in allen schulischen Bereichen. Auch deshalb fordert der prominente Schulentwicklungsforscher Wilfried Bos in der ZEIT mit Nachdruck: »Leseunterricht darf nach der Grundschule nicht aufhören!«

 

Wie läuft die Leseförderung denn konkret ab?

Ein früher Beginn der Förderung ist von hoher Bedeutung. Aus diesem Grund erhalten die Schüler schon ab der fünften Klasse eine zweistünde Leseförderung zusätzlich zum Regelunterricht. Das bedeutet, sie haben insgesamt mehr Zeit zum Lernen. Diese zwei Stunden sind im normalen Stundenplan verankert, so dass keine zusätzlichen Belastungen entstehen. Außerdem werden die Schüler hier nicht benotet – sie haben also den größtmöglichen Freiraum, um schnelle Fortschritte machen zu können.

 Die Förderung wird von den erfahrenen Deutschlehrkräften der St.-Augustinus-Schule geleitet. Dabei kommt gezielt Material zum Einsatz, das neueste Erkenntnisse der Leseforschung umsetzt und in mehreren Projekten erfolgreich erprobt worden ist.

 Das Förderprogramm weist einen systematischen Aufbau auf: Am Anfang stehen spielerische Übungen. Hier werden zum Beispiel die Blickbewegungen trainiert, was eine genauere Worterkennung sowie das schnellere Erfassen von Wortfolgen ermöglicht. Nach einigen Monaten folgen Übungen zum flüssigeren Lesen auch von schwierigen Texten. Diese sind ein wesentlicher Baustein der Förderung, denn sie ermöglichen es, dass sich die Schüler vermehrt auf den Inhalt konzentrieren können. Dabei unterstützen sich die Jugendlichen gegenseitig und arbeiten intensiv mit dem Partner zusammen. Schließlich werden spezielle Strategien zum Umgang mit komplizierten Texten trainiert. Damit werden die Schüler in die Lage versetzt, solche Texte später auch eigenständig ohne Hilfe der Lehrkräfte zu verstehen.

 

Wie fördert die Schule darüber hinaus die Lesefähigkeiten der Schüler?

Der St.-Augustinus-Schule ist es ein besonderes Anliegen, eine Lesekultur auch über den Unterricht und die Förderung hinaus zu schaffen. Deshalb wurden zahlreiche spezielle Aktionen etabliert, die die Schüler besonders motivieren und die Schulgemeinschaft stärken. Dazu zählt unter anderem der Besuch von bekannten Schriftstellern wie Klaus-Peter Wolf, die nur für die Schüler aus ihren Büchern vortragen und deren Fragen beantworten. Der Austausch mit den Autoren über das im Unterricht Gelesene ist für die Schüler immer wieder ein besonderes Erlebnis.

 Weitere Beispiele sind der Gang in die Stadtbibliothek, bei dem den Schülern ein eigener Büchereiausweis ausgestellt wird, und der Vorlesewettbewerb der sechsten Klassen. Hier erfahren die Schüler eine Wertschätzung ihrer neu gewonnenen Fähigkeiten und ihre Motivation steigt. Dabei zeigt sich auch der Wert der umfassenden Leseförderung an der St.-Augustinus-Schule, die letztlich dazu führt, dass die Schüler mit mehr Freude lernen.

Download der Broschüre als PDF

 

Zitatnachweis:

Zitat 1: Zitiert aus: 60 Jahre Georg Olms, 325 Jahre Weidmann. Hildesheim. Olms 2006, Seite 14.
Zitat 2: Aus: DIE ZEIT. Nr. 51/2008, Seite 77.